Zurück zu Alben Details

Vincent Peirani
Living Being

Vincent Peirani Living Being (Y. Serra, T. Paeleman, V. Peirani, E. Parisien, J. Herné) (c) ACT / Sylvain Gripoix
Vincent Peirani Living Being (Y. Serra, T. Paeleman, V. Peirani, E. Parisien, J. Herné) (c) ACT / Sylvain Gripoix
Vincent Peirani Living Being_1 (T. Paeleman, Y. Serra, V. Peirani, J. Herné, E. Parisien) (c) ACT / Sylvain Gripoix
Vincent Peirani Living Being_1 (T. Paeleman, Y. Serra, V. Peirani, J. Herné, E. Parisien) (c) ACT / Sylvain Gripoix

Produktinformationen

Besetzung

Vincent Peirani / accordion & voice (02)
Emile Parisien / soprano & tenor saxophone (05)
Tony Paeleman / fender rhodes & effects
Julien Herné / electric bass & effects
Yoann Serra / drums


Aufnahmedetails

Music composed by Vincent Peirani unless otherwise noted

Produced by Vincent Peirani & Axel Matignon
Executive Producer: Siggi Loch

Recorded by Jean Paul Gonnod, June 15 - 18, 2014 at Studio de Meudon, France
Mixed by Jean Paul Gonnod at Studio des Variétés
Mastered by Götz-Michael Rieth at eastside mastering studios

Cover art by Manfred Bockelmann


„Vincent Peirani ist ein Jahrhunderttalent.“ (Fono Forum) „Keiner hat bisher die Klangwelten des Akkordeons so lebendig und warmherzig aufgefächert.“ (Neue Züricher Zeitung)
So wie ein Marius Neset das Saxofon zu neuen Ufern führt, so wie ein Adam Bałdych Geige spielt wie niemand zuvor oder ein Michael Wollny dem improvisierenden Klavierspiel neue Wege weist, so ist auch Vincent Peirani ein Vertreter dieser neuen Generation, die ihre Instrumente neu definiert. Mit seinem neuen Album „Living Being“ und neuer Band stellt der sympathische Hüne am Akkordeon dies erneut unter Beweis.

Peirani hat in kurzer Folge den Prix Django d'Or, den ECHO Jazz, den Titel „Künstler des Jahres“ des französischen „Jazz Magazine“ und neben seinem engen musikalischen Partner Emile Parisien auch den „Victoires du Jazz“ gewonnen. Beide gehören sie derzeit zu den führenden französischen Jazzmusikern der Generation Mitte 30 und gehören damit auch zur Riege der erfolgreichsten europäischen Künstler. Zu den Young European Lions also, die das Revier des Jazz neu abstecken. Die die Jazztradition ebenso gut kennen, wie die klassische europäische Musikgeschichte, die wie jeder Jüngere mit Pop und Rock aufgewachsen sind und die all das nutzen, um ihren eigenen Weg zu gehen. Die nicht mehr nur Jazz spielen, sondern die „Musik machen“. Ihre Musik.

Peirani selbst erklärt es so: „Für mich ist das die Zukunft des Jazz: Wir Musiker haben heute über das Internet jederzeit Zugang zu jeder denkbaren Musik, das Reisen ist einfacher, in Paris, wie in den meisten anderen Städten auch, triffst du Musiker aus der ganzen Welt. Wenn du offen bist, ist das ein enormer Reichtum. Und so ist meine Spezialität, dass ich kein Spezialist bin. Ich bin klassischer Musiker genauso wie Jazzmusiker oder Popmusiker. Aber ich mache alles auf meine Art.“ Das ist es, das es ihm ermöglicht hat, das Akkordeon aus alten Fesseln zu befreien: bei Peirani ist es kein schnaufender Balg mehr, es verwandelt sich in ein von den gewohnten grollenden und Orgel-ähnlichen Klängen bis zu jubilierenden höchsten Höhen vielerlei Klangfarben ausschüttendes und diverse Instrumente imitierendes Füllhorn. Nach den begleitenden Rollen bei Youn Sun Nah und Ulf Wakenius, Kombinationen wie dem Trio mit Michael Wollny und Michel Benita und dem intimen Duett mit Emile Parisien („Belle Èpoque“) erklingt es auf „Living Being“ in ganz neuem Zusammenhang.

Der Ursprung seines neuen Bandprojekts liegt vier Jahre zurück: „Ich wollte eine neue Band. Dabei wusste ich noch nicht so genau, welche Musik ich wollte. Aber ich wollte Leute mit verschiedenem musikalischem Hintergrund.“ Neben seinem Bruder im Geiste Emile fand er den E-Bassisten Julien Herne, der aus der R'n'B und Hip-Hop-Szene kommt, den Schlagzeuger Yoann Serra, der ein großer Art Blakey- und Elvin Jones-Fan ist, aber auch in elektronischer Musik zuhause ist und den Keyboarder Tony Paeleman, der viel mit Sängern und Popmusikern gearbeitet hat. Es ist eine nun ausnahmslos in Paris lebende Nizza-Connection, alle stammen aus Peiranis Heimatstadt. Man kennt sich also schon lange und trotzdem war „Living Being“ ein kompletter Neustart, wie Peirani berichtet: „Yoann zum Beispiel kenne ich seit 20 Jahren, aber ich hatte vorher nur ein einziges Mal mit ihm gespielt. Mit Tony ein paar Mal. Und mit Julien war ich mal in einer Gypsy Band.“

Entscheidend war für Peirani der menschliche Faktor: „Wir sind Freunde, die sich zusätzlich auch noch musikalisch verstehen. Das ist für mich die Basis und das drückt sich auch auf der Bühne und im Studio aus.“ Es brauchte Zeit, bis die fünf herausfanden, wie sie am besten zusammen harmonieren. „Wir haben kontinuierlich miteinander gespielt, zuletzt vor der Aufnahme haben wir in einem Haus nahe Paris vier Tage lang am Stück zusammen gelebt und geprobt“, berichtet Peirani. Wie die sechs Stücke von Peirani und die zwei sehr eigen adaptierten Titel von Michel Portal und Jeff Buckley zeigen, hat es sich gelohnt: „Living Being“ ist wirklich ein ausgewachsenes Lebewesen geworden, faszinierend organisch, anders klingend als alles Bisherige.

Von der schlichten „Miniature“ bis zur in rasante Akkordfolgen zerlegten Hymne („Suite en V“), von arabesk angehauchten, fast klassischen Themen („On The Heights“) bis zu stark rhythmisiertem Blues („Workin' Rhythm“) oder experimentellen Soundcollagen („Mutinerie“), unisono schwelgend („Dream Brother“) oder in vertrackt versetzter Polyphonie („Air Song“) – hier schütten Young European Lions den vermeintlichen Graben zwischen Komposition und Improvisation zu, zwischen „klassischer“ Harmonik und „jazziger“ Rhythmik. Kein Imitat, ein Original, bei dem jeder seine ureigene Rolle spielt. Wie sagt Peirani: Das ist die Zukunft des Jazz.